+++ Hier die Bilder zum Tartlauer Treffen vom 22.09.2018 +++

+++ Wandern im Tannheimer Tal hat Spaß gemacht: Bilder Aug. 2018 +++

+++ Das Taifeltschen Nr. 10 ist für Sie verfügbar +++

Kirchenburg Tartlau - UNESCO-Welterbestätte seit 1999

.

Tartlauer Sport- und Kulturleben geprägt

Walter Schmidt aus Böblingen kann mit seinen 80 Jahren auf ein erfülltes Leben zurückblicken. Der Textilmeister hat das Tartlauer Kultur- und Gemeinschaftsleben sowohl in seiner Heimatgemeinde als auch, nach seiner Aussiedlung im Jahr 1984, in Deutschland vielfach mitgestaltet und bereichert.

Walter Schmidt wurde am 26. März 1929 in Tartlau geboren, in der Burzenländer Marktgemeinde, wie alle seine Vorfahren der letzten vier Generationen. Seine Eltern waren Landwirte. Er erlebte eine ungetrübte Kindheit und Schulzeit in Tartlau und in der Kronstädter Honterusschule bis 1944.

Es war ihm ein Anliegen, das sächsische Gemeinschaftsleben, das in den ersten Nachkriegsjahren unter wirtschaftlicher Not und politischen Schikanen zu leiden hatte, wieder in Schwung zu bringen. So gründete er 1947 als 17-Jähriger eine Mädchen- und eine Jungen-Mannschaft in Tartlau. Beide trainieren auf dem Sportplatz hinter den Eschergässer Gärten. „Wir hatten zunächst nur einen Ball, der sich allmählich verformte“, erinnert sich Walter Schmidt. „Durch die unzähligen Übungsstunden, durch Fleiß, Hingabe und Zuneigung machten wir Fortschritte. Alles, was spielerisch leicht und elegant aussieht, muss hart erarbeitet werden.“ Vor allem die Mädchen-Elf erlebte einen ungeahnten Höhenflug. „Es ist eine Augenweide, die Mädchen gehen ein unglaublich schnelles Tempo, sie sind ballsicher, spielen ideenreich, ein einmaliger Ballzauber“, schreibt Walter Schmidt. Die Mädchenmannschaft trug von 1948 bis 1951 insgesamt 36 Spiele aus und gewann 32.

Walter Schmidt (80) hat das Tartlauer Gemeinschaftsleben vielfach vorangebracht. Foto: privat.

Die Tartlauer Jungenmannschaft trug bis 1961 rund 100 Spiele aus. Schmidt spielte in der Saison 1947/48 für Sf. Gheorghe in der ersten Liga. Von 1948 bis 1950 war er Spieler bei Spartac Kronstadt und 1951 bei CCA Bukarest. Als Bauernsohn wurde er aus der Armee entlassen. Den Vorschlag des Bukarester Armeeklubs, weiter für CCA zu spielen und Zivilangestellter der Armee zu werden, lehnte Schmidt ab und kehrte heim nach Tartlau. Dort spielte er von 1951 bis 1961 als Spielertrainer Handball. Die sächsischen Handballer machten in diesen Jahren im Sportverein der Tartlauer Textilfabrik bei vielen Pokalspielen und allen Kreismeisterschaften mit.

Das Tartlauer Musikleben hat Walter Schmidt ebenfalls mitgestaltet. 1947 war er Mitbegründer des Tartlauer Jugendchors unter Jugendlehrer Ernst Fleps, und ebenfalls 1947 zählte er zu den fünf Männern, die die Tartlauer Blasmusik neu gründeten. Bis Mitte der sechziger Jahre wirkte er an unzähligen Konzerten, Wettbewerben und Tanzunterhaltungen mit der Blasmusik, an den Auftritten des Chors und des Doppelquartetts der Musikanten mit.

1961 bis 1967 übernahm er Verantwortung als Nachbarvater der achten Tartlauer Nachbarschaft (Mühlgasse). Seine Meinung war auch bei wichtigen Fragen der Kirchengemeinde gefragt, etwa Ende der siebziger Jahre, als die Pläne für eine großzügig zu gestaltende Friedhofskapelle auf seinen Rat hin verworfen wurden.

Als Textilmeister arbeitete Schmidt bis zur Ausreise 1984 in der Tartlauer Tuchfabrik. In Böblingen, wo er sich mit seiner Frau Anni sowie den beiden Söhnen Walter und Harald niederließ, spielte er einige Jahre in einer Alt-Herrenmannschaft. 1992 machte er das Sportabzeichen in Gold des Deutschen Sportbundes.

Von 1990 bis 1994 war er stellvertretender Nachbarvater der "9. Tartlauer Nachbarschaft", der Heimatortsgemeinschaft Tartlau in Deutschland, und vorher war er als Beisitzer im Vorstand der 9. Tartlauer Nachbarschaft aktiv.

Er war ihm stets ein Anliegen, Heimatliches zu sammeln und zu bewahren, die Beweise unserer geschichtlichen und kulturellen Existenz zu sichern und an die nachfolgenden Generationen weiterzugeben. So machte er viele Tonbandaufnahmen der Blasmusik, des Chors und Männerquartetts. Für das "Tartlauer Wort" lieferte er 35 Artikel und viele Fotos zu heimatkundlichen Themen wie Sport, Blasmusik, Mundart, Glocken, Handwerker in Tartlau u.v.m.

Zu seinen größten Leistungen gehört die Gründung der Tartlauer Trachtengruppe, die 1992 anlässlich des 40. Heimattages in Dinkelsbühl mit zwei historischen Fahnen, 39 Trachtenträgern und 22 Tartlauer Musikanten erstmals beim Festumzug mitwirkte. Die anderen Burzenländer Gemeinden stellten gemeinsam gerade mal etwa 20 Trachtenträger. Zu Pfingsten 1994 kam es zu einer Rekordteilnahme von 50 Tartlauer Trachtenträgern. Besonders stolz ist Walter Schmidt auf die beiden historischen Fahnen, die die Tartlauer in Dinkelsbühl zeigen konnten. "Fahnen sind immer ein Symbol der Zusammengehörigkeit", erläutert er. Als einziger lebender Zeitzeuge wusste er über die Aufbewahrung und Existenz von zwei Tartlauer Fahnen Bescheid: die eine mit der Inschrift "1867 Tartlauer Marktamt" und die zweite "Freiwillige Tartlauer Feuerwehr" (1882, angefertigt 1937). Die Fahnen wurden 1991 nach Böblingen überführt und später der 9. Tartlauer Nachbarschaft übergeben.

1997 feierte die Tartlauer Blasmusik ihr 50-jähriges Jubiläumsfest. Als Organisator zeichneteWalter Schmidt, der auch eine Ausstellung aus seinem umfangreichen Fotoarchiv zeigte.

Zudem organisierte er Busfahrten zu den Tartlauer Treffen und Heimattagen in Dinkelsbühl. Ende der achtziger Jahre gründete er eine Tartlauer Wandergruppe in Böblingen: die zunächst jährlich zum Vatertag unterwegs war, seit Schmidts Verrentung im Jahr 1992 nunmehr jede Woche zehn Kilometer wandert und in einer Wirtschaft einkehrt.

Walter Schmidt, der sehr heimatverbunden und selbstbewusst ist, hat sein Organisationstalent und Durchsetzungsvermögen jahrzehntelang in den Dienst der Tartlauer gestellt. Als Anreger und Motor har er das Gemeinschaftsleben vielfach bereichert. Dafür sei ihm an dieser Stelle herzlich gedankt, verbunden mit herzlichen Glückwünschen zu seinem 80. Geburtstag.


Quelle: Ersterscheinung in "Siebenbürgische Zeitung", 30.04.2009.

Autor: Siegbert Bruss

Erstellt: 22. Dezember 2009 - 15:49. Geändert: 19. September 2010 - 11:51.