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Kirchenburg Tartlau - UNESCO-Welterbestätte seit 1999

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Gedichte von Katharina Roser

Katharina Roser (geb. Hellmann) hat uns im Dez. 2012 für immer verlassen. Katharina Roser hat uns immer wieder mit Gedichten (in Deutsch oder Tartlauer Mundart) erfreut und damit in unserer Nachbarschaft große Beliebtheit genossen. Viele Ihrer Gedichte haben wir im Laufe der Jahre bereits im "Tartlauer Wort" und auf der Tartlauer Homepage veröffentlicht. Sie ist bis ins hohe Alter unserer Nachbarschaft treu geblieben und hat bis zuletzt reges Interesse am "Tartlauer Wort" gezeigt.

1965 an Tuerteln

De Huiser stauhen nåch uen der Zelj,
gena esu wei froiher –
doch wonn em stauhen bleiwt en Welj
word em det Harz gor speier.

Wei ualt Weïwer setch em se stauhen,
ualdersmotch, och verdruaßen,
ås worde se ihr Leed sech klauen,
dat em se huet verlassen.

De Finstern – dei den Ooģen glech,
senj blondch wei vuem schroaien,
am weeß et nätch, af derhondjer, sech
der Mansch iwerheft nåch kon froaien.

End setch em an den Håf eran,
an de Stual, awer de Schuier,
fondj em nichen mih Gedeier deran,
nätch en Hualm, nåch Holz for’t Fuier. –

Wei sual enem dau det Harz nätch brächen,
de Såchsen senj armer ås der Zeguen.
Em wol se an Fabriken stächen,
de Grand huot em en ewäch genon.

Doch won der Gebor nätch uenbaen kon,
gereit det Lond an Nut.
Em huot em de Existenz genon
na kon e nätch mih sorjen for det dachlech Brut.

Gesprochen von: Wilhelmine Kirres

Länge: 1:07 Minuten (1,07 MB)

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Am Guorten, uem Brannschen

Am Guorten, uem Brannschen ban ech oft gesäßen,
em kånnt ålles am sech eram deruen vergäßen.
Am Wuasser såch em den Himmel esu huh,
won de Wolken vorbeifleģen am Nu.
Ech duecht mer aldeest :
"Åch känt ech nor mat,
dernau weir ech erliest
von ållem Geschack."

Mat Froaid' ech ändjen zem Brannschen genj,
senj Pareltscher pesperten esu låstech och fenj,
ås verstenden se, wat mech entzackt –
end liesten sech åf vor letter Glack.

Dersandj senj vergahn schun vill Gauer,
em word hemlech ualt, em setch et uem Hauer. –
Duat Brannschen åwer kånt ech nierendmih fondjen,
ech huen geseckt – uen ållen Ondjen. –

Wai schmackt doch det Wuasser derous esu fenj!
Vill besser nåch, wai en harzhåft Wenj.
Den Durscht dau ze stallen,
uen diën renen Quallen,
wuas wei e Gebiët
duat ous donkberem Harzen zem Himmel striëwt.

Gefåßt as na menj Brannschen – an Riehren.
Senj Pespern kon em netch mih hieren.
Zwaur fluißt nåch senj Wuasser am vill Äken,
ech åwer kon netch mieh derous schäpen. -

Gesprochen von: Wilhelmine Kirres

Länge: 1:18 Minuten (1,23 MB)

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De Tuertler Kirchenburch

Machtech och tråtzech
steht von Bemen amgien,
de Tuertler Kirchenburch.
De greßt von ållen – åwer netch pråtzech –
Schatzt se vor Foandjen est
de gonz Gemen.

De Chronik weß dervuen ze berichten
wåt se asen Åhnen est as gewiëst.
Ändjen nåch kon em se besicht’jen,
nor de Kirch – steht scher verweest.

Garen diet em se de Gästen zejen
end wuas gor stolz deråf,
dåt mihr es nonten anihr ejen
end gauwen se netch åf.

Zem Annenhåf, an de Burch,
durch den danklen Gong,
ander dem Fållgitter durch
wuerd et em jeden bong.

Em bleiwt hei stauhen wei gebannt,
vor diën villen Kuemern mat den Träpen.
De Rainkmoor heltch se wai amårmt,
am se vor Foandjesmuecht ze däken.

Duat wuas de Zauflucht aser Åhnen,
won der Foandj det Lond hemsekt.
Der Vorraut, diën se hiërbruecht håtten,
Leiß se ousharren an speirer Zetch.

Am’t "Radere Bissken" ze errechen,
moiß em iwer Träpen gaun
steil och onj, em moiß scher krächen,
doch huet et nichem led gedaun.

Pechnasen och Schießscharten an den Mooren
låssen nor wineg Lecht eran.
Et as hei kualt, em kon erschouren,
fläjen em Fledermuis amt Heft eram.

Hei tritt Geschicht enem vor de Ooģen
vuen såchsescher Verganhet,
vuen såchsesch Gest och sachsesch Glowen,
vuen såchsesch Uert, vuen Kompf, vuen Leed.

Låß Harr, ous disen ualden Moren
Kråft och Glowen wider åferstaun!
Wonn mihr scher ålles huen verloren,
su låß as Volk netch andergaun!

Gesprochen von: Volkmar Kirres

Länge: 2:00 Minuten (1,89 MB)

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Der Zåderesåck

Mer suaßen åf dem Dirpel,
det Anni, det Risi och ech.
Mer spilten mat asen Dåken
ent wolen en noai Kledscher måchen –
ous Suomet och Setch. –
Stoff an ållen Fårwen
håtten mer am Zåderesåck fanden. -
Leder nichen Suomet och Setch!
Åwer Måschker, Spitzen och
hesch Bander –
vuen diën måchten
mer de Gewander –
e jedet for senj Dåk det hescht.
Menj Dåk hat mir menj Metter gemåcht,
ech bekom se geschenkt ze Chrastdåch.
Se håt Hauer nor ous Fluos,
åwer se wuas mer de leifst
dei ech je gehuet.-
End hät ech se hotch nåch an Hondjen
se word bei mir en Ihrenplåtz fondjen.
Hotch spillen de Kandch
Nätch mih åf dem Dirpel.-
Der Zåderesåck as uch påssée.
Hotch huen se Barbie–Dåken
mat vill Glitzer och Glacee.-
Gedreit huet sech det Rad
der Zetch!
Mer wauren uorem –
end doch esu rech!

Gesprochen von: Wilhelmine Kirres

Länge: 1:05 Minuten (1,02 MB)

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Feierabend

Dehem, dau stend e Londjenbom,
diën ech gepflonzt, am Håf.
E Jeder håt senj Froaid deruen
uem heschen Bladderdåch.

Uem Auvend, won em derander suaß,
senj Dååchwark håt verricht –
de Moih och Plauch em dau verguaß
weir se gewiest – nach esu licht.

Erklung de Glåk ze Auvendmarch,
diët em de Hondj zesuemmen.
Der letzt Sånnenstraul – schun hondjerem Barch
schinn es zerack zem – Åmen.

Sätch – duat wuas en Feierabend
diën em sonst nierendmih fondj,
esu erquackend – och esu labend –
Iwerual wuas Fridden – och ander der Londj.

Gesprochen von: Wilhelmine Kirres

Länge: 0:44 Minuten (701 KB)

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Friedhofsbesek

"Vergesst uns nicht" stend uem Portål
uem Friedhof, diën ech est besekt.
Ech wuas ellehn end nohm mehr Zetch
stauhen ze blëiwen iwerual.

De Blemen blotchen åf jedem Graw,
et wuas en Pruecht hei ze verweljen.
Ech laiß menjen Gedonken freien Lof
mat en ze enteljen.

Ech duocht uen dehehm –
uen diën Friedhof – hei scher vergäßen,
uen dei Laiwen, dei dau ellehn
an der Hemetiërd rästen.

Et kom mer an den Sann,
dau ech nau villen Gauern
det irschtmaul wider dehehm gewiëst ban –
geng ech zem Friedhof, et wuas en Dåch wei hotch,
de Blemen håtten och esu hesch geblotch.

Ech geng durch de Roaien der Grawer – end fond
esu muentsch en Nuemen, diën ech gekont.
Et wuas mer åldehst, ås rechten mer es de Hond –
ous disem an duat onder Lond.

Uem Graw, dam menj Besek gegualden,
huen ech bewiëcht Uenduecht gehualden.
Et wuas esu stall – end ålles spich –
bas åf de Wandch, die sånft iwer de Grawer strich.

Vor den Gruften ban ech gestonden – uen er jeden. –
Åll Anschraften huen ech dau geliësen.
Ous Bildern blackten mer vertrat Gesichter entgejen,
wei ech se gekont, ås se nåch wauren uem Liëwen.

Verblachen åwer senj se åll schun lonjst. –
Vor mech åwer, wuas der Besek – en Gottesdenjst.
- - - -
Nor en Frauch as nåch, dei mech bewiëcht –
wåt word senj, won neimend mih dei Grawer pfliëcht,
won viellecht nor en puer Ualden nåch blëiwen dau –
wie drackt dem Lätzten est de Ooģen zau?

Gesprochen von: Volkmar Kirres

Länge: 2:02 Minuten (1,91 MB)

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Hemet

Det Brackeltschen, det Hetefäld,
det Fläßken, och de Hamm,
Netch ze vergäßen den Huhkåp,
de Mill end och de Schlaptesbåch –
ech huen se nåch ändjen am Sann.

An diën Gefilden laģ menj Warlt,
dau ech ås Kandch gespillt –
end ban ech hotch och sihr entfarnt,
duat bleiwt menj Hemetbild.

Iwert Brakeltschen ban ech gegahn
ås ech dervuengezogen ban.
Et fell mer schwer, ech weeß et nåch,
doch glowt ech åwer un dïen Dååch,
dau ech word wider kun.

Vom Kirchenturm, de Morjeglåk
klondj hotch mir nåch an Uhren,
ech warden se bas zem letzten Dåch
an menjem Drom nåch hieren.

Gesprochen von: Wilhelmine Kirres

Länge: 0:45 Minuten (718 KB)

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Hemwieh

De Hemet, dai dir duier och wiert,
verlåß se netch, won da netch moiß!
Behualt wåt dir von Gott beschiert.
De Fremd as netch esu soiß.

Dehem huest da vill Laiw genoaßen,
worst geuecht an der Gemen.
Huet dech Led och åld verdroaßen,
dau bast da netch ellen.

Dai, far derfuen, er zau ast huet bruocht,
villecht ze Ihren, Glonz och Pruecht,
de Hemet failt em ändjen. -
Dau e geboren, dau e geliewt,
och gespillt huet mat de Kandjen.

Dau e an de Kirch gegahn,
uem Sanndech an der Truocht,
mat den Åldjern huet gesahn
von Gottes Leiw och Muecht. -

Åch, an Wörter kon em et netch fåssen
wåt de Hemet an sech birgt.
Doch huet em se est vor ändjen verlåssen,
det Hemwieh bleiwt - bas dåt em stirwt.

Gesprochen von: Volkmar Kirres

Länge: 1:01 Minuten (968 KB)

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Das Konzilium (Dorf–Idyll)

Nach dem Regen, wenn die Erde dampfte
und der Regenbogen seine Farben spannte
hoch über den Erdenball,
kamen die Kinder barfuß daher
und spielten im Rinnsal
und bauten ein Wehr.

Die Bauern kamen zusammen im Tor,
die zerfurchten Hände in den Taschen versenkt.
Einer holte die Tabaksdos' hervor
und reichte sie weiter – wie man das so kennt.

So sah man sie stehen gar manches Mal –
Chriss, Gez, Misch, Honz, Mierten und Pal,
zu führen hier das große Wort,
bis die Pflicht sie wieder rief an ihren Ort.

Es wurden erzählt die Neuigkeiten,
von guten und von schlechten Zeiten.
Es wurde diskutiert und kritisiert
die Behörden, wenn etwas passiert,
Kirche, Politik und die Wirtschaftslage,
zu hohe Steuern, Arbeit, Müh' und Plage.

Es wurde aber auch kräftig gelacht
hatte einer mal einen Witz gemacht –
denn alle verstanden sie was von Humor
wenn sie so beisammenstanden im Tor.
Die Zeit ging dann so schnell herum
wenn die Bauern so hielten ihr "Konzilium".

So wurde der Regen zum doppelten Segen.

Erinnerung

Wenn mal nach vielen Jahren
ein Freund an dich gedacht –
so ist’s, als schien die Sonne
dir mitten in der Nacht.
Dann regt sich in deinem Innern
ein seliges Erinnern.

Erinnern an Zeiten,
die längst vergangen sind.
Es trägt dich über Weiten
wo du gespielt als Kind. –

Und aus des Traumes Tiefen
steigen Bilder dann empor
und Stimmen, die einst dich riefen,
dringen plötzlich an dein Ohr.

Und alles siehst du wieder
wie's früher einmal war –
doch ist vergangen darüber
so manches harte Jahr.

Und wann jetzt Tränen fließen,
so hemm' nicht ihren Lauf.
Sie lösen Schmerz und Kummer
vor Freude wieder auf.

Tartlau

Durch der Tartel grüne Auen
sind wir gewandert viel,
zu erleben und zu schauen,
die Heimat - das war das Ziel.

So oft sind wir gegangen
am "Zweiten Kanal" entlang,
von Sonne eingefangen,
von Wiesenduft und Vogelsang.

Dort, wo die Eichen standen,
Künder aus alter Zeit,
ein schattiges Plätzchen wir fanden
zur Rast - denn der Weg war weit.

Hier ließ man die Blicke schweifen
bis zum Karpatenrand -
und lernte hier begreifen
das teuere Heimatland.

Nie wollte man hier weichen,
fest wie die Eichen stehn.
Was konnten wir erreichen?
Es mussten viele gehen.

Alle waren wir verblendet
von Gauklern in stürmischer Zeit. -
Sie haben damit geschändet
eine stolze Vergangenheit. -

Die Eichen stehen nimmer.
Sie fielen durch fremde Axt.
Doch ihrer denk' ich immer
auch in der Ferne - als Sachs.

Wunschtraum

Nur einmal noch -
die alte Heimat sehen!
Nur einmal noch -
vertraute Wege gehen!
Durch Felder und Wiesen
und an Flüssen entlang. -
Und zu den Wäldern
wo der Aufstieg begann
zu den felsigen Höhen.
Von dort weit hinaus
ins Land zu sehen.
Dörfer, Burgen, Kirchen
und so manch altes Haus -
doch gehen dort andere
jetzt ein und aus. -
Nur einmal noch -
möcht ich dich sehen!
Mein Burzenland
wie warst du so schön!

Vergänglichkeit

Die Jahre fliehen so geschwind
als wehte sie hinweg der Wind.
Die glücklich’ frohe Jugendzeit -
wie liegt die nun zurück - so weit!
Man hat doch viel in all den Jahren
an Freude und an Leid erfahren. -
Der Krieg schlug uns gar tiefe Wunden,
die man noch nicht hat überwunden.
Not und Elend waren groß
und viele wurden heimatlos. -
Mit Gottes Hilf’ und eigener Kraft
hat man eine neue Heimat sich geschafft.
Doch meine Sehnsucht galt dem Land,
in dem einst meine Wiege stand. -
Jetzt bin ich alt und blick’ zurück,
nicht im Zorn - auch nicht voll Glück -
und harre in verlorenem Raum,
wie ein dürrer Ast an einem Baum,
bis einmal die Bestimmung fällt
und abgerufen werde von dieser Welt.
Dagegen lehn’ man sich nicht auf!
Begrenzt nur ist des Lebens Lauf!
Von Anfang an war es gewiss,
dass man nur Gast auf Erden ist.
Darum mein innigstes Gebet,
wenn dieser Weg zu Ende geht,
dass nicht Verzagtheit das Geleit,
nur Güte, Vergebung und Dankbarkeit.
Drum sage ich "wie Gott es will!"
Dann wird auch meine Seele still.


Autor: Katharina Roser (geb. Hellmann)

Erstellt: 28. November 2010 - 19:52. Geändert: 26. März 2013 - 12:08.