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Kirchenburg Tartlau - UNESCO-Welterbestätte seit 1999

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Auf den Spuren des Deutschen Ritterordens

In diesem Jahr wurde schon vielfach der Berufung des Deutschen Ritterordens ins Burzenland vor 800 Jahren gedacht. Die Fest- und Gedenkwoche Mitte September in Kronstadt war die "Krönung des Burzenländer Jubiläumsjahres" (siehe Siebenbürgische Zeitung vom 30.09.2011). Am 17. September fand zum ersten Mal das Sachsentreffen der noch in Siebenbürgen lebenden Sachsen in Kronstadt und nicht wie sonst vorwiegend in Birthälm statt. Das Motto lautete diesmal: "Herkunft prägt Zukunft. 800 Jahre Burzenland".

Jahrestagung des Arbeitskreises für siebenbürgische Landeskunde

Hansgeorg von Killyen, vielen Tartlauern noch als Lehrer an der Oberstufe in Tartlau bekannt, spannte in seinem Festvortrag einen Bogen von der Siedlungsgeschichte des Burzenlandes bis in die heutige Zeit, in der auf vielfältige Art und Weise versucht wird, eine Brücke zwischen Ost und West zu schlagen. Vom 15.–18. September wurde auch die 46. Jahrestagung des Arbeitskreises für siebenbürgische Landeskunde (AKSL) in Kronstadt abgehalten, die thematisch der Wirkungszeit des Deutschen Orden von 1211-1225 im Burzenland gewidmet war.

Die Tagung wurde von Hon.-Prof. Dr. Konrad Gündisch, Mitarbeiter im Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa in Oldenburg, organisiert. Eingeladen waren Referenten aus Deutschland, Ungarn und Rumänien. Vom AKSL wurde im Hinblick auf diese Tagung auch eine Studienreise angeboten, an der ich teilnehmen konnte: von der Marienburg an der Nogat bis zur Marienburg am Alt. Geleitet wurde sie von Dr. Gündisch, mit dabei waren jedoch noch viele weitere Historiker und fachkundige Theologen, u.a. der Tübinger Prof. Dr. Dr. Zimmermann, der als der Fachmann auf diesem Gebiet gilt.

Ein wesentlicher Diskussionspunkt der Tagung war die Erstbesiedlung des Burzenlandes. 1911, im Rahmen des 700jährigen Jubiläums, wurde noch die Ausstellung der Berufungsurkunde durch den ungarischen König Andreas II als Jahrestag des Beginns der Besiedlung des Burzenlandes gefeiert. Heute jedoch geht man davon aus, dass das Burzenland schon vor dem Eintreffen des Deutschen Ritterordens von der gleichen Siedlungsbewegung wie das Gebiet des "Andreanums" erfasst wurde.

Deutscher Ritterorden im Burzenland

Mit dem Deutschen Ritterorden kamen weitere deutsche Siedler hinzu, vermutlich aus Thüringen, da Andreas II mit der thüringischen Prinzessin Gertrud von Andechs verheiratet war und dadurch diplomatische Beziehungen mit Thüringen gepflegt wurden. Dies dürfte auch ausschlaggebend dafür gewesen sein, dass die Auswahl auf den Deutschen Ritterorden fiel, der zur Verteidigung der Grenzen des ungarischen Reiches gegen die Kumanen, ein turkmenisches Steppenvolk, berufen wurde.

Konstituiert wurde dieser Orden als deutsche Hospitalbruderschaft von Kaufleuten aus Lübeck und Bremen in Akkon im Heiligen Land, 1190 zur Zeit des III. Kreuzzuges, vorerst mit rein karitativen Aufgaben beauftragt. Von 1199 bis 1929 fungierte er als geistlicher Ritterorden der Römischen Kirche ähnlich wie die Templer und Johanniter und seit 1929 als rein klerikales Institut mit geistlichen Ordensbrüdern und -schwestern sowie affiliierten Familiaren geistlichen oder weltlichen Standes mit Hauptsitz in Wien. Hier konnten wir zum Abschluss der Reise auch das Deutschordenshaus in unmittelbarer Nähe vom Stephansdom besichtigen.

Die Beteiligung an der Ostkolonisation im 13. Jahrhundert als neues Aufgabengebiet kam nach dem partiellen Beenden der Orientkreuzzüge zustande. Der vierte Hochmeister des Deutschen Ordens, der Thüringer Hermann von Salza, scheint schon früh die Errichtung eines autonomen Herrschaftsgebietes angestrebt zu haben, so dass ihm das von Andreas II angebotene Heimatrecht im Burzenland für seine Kriegsdienste willkommen war. Er konnte auch mit der Unterstützung des damaligen Papstes Honorius III rechnen. Hermann von Salza beorderte sieben oder acht Ordensbrüder hierher. Dem Orden wurden umfangreiche Rechte zugesprochen: die Einrichtung von Märkten, die Ausbeutung von Metallvorkommen, mit Schiffen auf dem Alt und dem Mieresch Salz und andere Waren zu transportieren, die Erhebung von Abgaben und die Errichtung von Holzburgen.

Die vom Orden gewonnenen Siedler wurden dem König unterstellt und von Abgaben an den Woiwoden von Siebenbürgen befreit. 1213 wurde dem Orden die Abgabe des Zehnten erlassen und er durfte eigenständig Pfarrer einsetzen. Der Deutsche Orden schien alsbald dem ungarischen Adel zu mächtig zu werden. Vermutlich war auch der unerlaubte Bau von Steinburgen ein Stein des Anstoßes. Der ungarische Adel drängte letztendlich Andreas II, militärisch einzugreifen, so dass der Deutsche Ritterorden nach 14 Jahren Aufenthalt aus dem Burzenland vertrieben wurde. Die Tatsache, dass der Orden beim ungarischen König in Ungnade fiel, dürfte auch dazu geführt haben, dass Andreas II 1224 den deutschen hospites die Privilegien erteilte, die im "Goldenen Freibrief" festgelegt sind.

Deutscher Ritterorden in Ostpreußen und dem Baltikum

Was dem Deutschen Ritterorden im Burzenland nicht gelang, sollte dann jedoch in Ostpreußen und dem Baltikum möglich werden. 1226 rief der polnische Herzog Konrad I von Masowien den Deutschen Orden in seinem Kampf gegen die Prussen um das Kulmerland zu Hilfe. Diesmal sicherte sich Hermann von Salza ab und ließ sich von Kaiser Friedrich II und von Papst Gregor IX garantieren, dass nach der Unterwerfung und Missionierung des Baltikums, das eroberte Land an den Orden fallen sollte. Dort kam es dann 1230 zur Gründung eines Ordensstaates, der nur dem Papst jedoch keinem weltlichen Lehnsherren unterstellt werden sollte.

Karte mit Staat des Deutschen Ordens

Der Orden schuf hier im Laufe der Zeit ein Herrschaftsgebiet, dessen Wirtschaftsstrukturen eine Modernität aufwiesen, die an die fortschrittlichen Staatswesen in Oberitalien erinnerte und im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation vielleicht noch von Nürnberg erreicht wurde. Er wurde auch einziges nichtstädtisches Mitglied der Hanse, wodurch sich neue Handelsmöglichkeiten und Handlungsräume eröffneten, so dass es der Ordensstaat im Vergleich zu den benachbarten Staaten zu einem außergewöhnlichen Wohlstand brachte.

Nachdem 1291 Palästina endgültig für die Christen verloren gegangen war, verlegte der Deutsche Orden seinen Hochmeistersitz von Akkon erst nach Venedig und 1309 an die Marienburg an der Nogat. Die Inbesitznahme von Danzig und Pomerellen 1308 durch militärisches Vorgehen gegen polnische Herzogtümer führte langfristig zu Ressentiments gegen den Orden und auch gegen in Polen ansässige Deutsche und wurde zu einer Dauerfehde. Mehrere kriegerische Auseinandersetzungen mit dem benachbarten Litauen konnte der Ordensstaat auch lange erfolgreich für sich verbuchen. 1410 kam es dann zu der bekannten Schlacht bei Tannenberg, wo eine vereinigte polnisch-litauische Streitmacht das Heer des Ordens vernichtend schlug.

Hermann von Salza

Der Orden konnte noch einen Teil des preußischen Besitzes behalten, sowie auch die Marienburg verteidigen, verarmte dann jedoch zunehmend, nicht zuletzt durch hohe Kontributionen infolge des Friedensvertrages 1411 in Thorn. Im zweiten Frieden von Thorn 1466 verlor der Orden auch Pomerellen, das Kulmerland, das Ermland und nun endgültig auch die Marienburg, die zuvor an die Söldner, deren Lohn ausstand, verkauft worden war. Der Orden in Preußen war nun zunehmend auf die Unterstützung von Ordensgebieten aus dem Reich angewiesen. Im 16. Jahrhundert kam es auf Anraten von Martin Luther zu einer Säkularisierung des Ordensstaates und Umwandlung in ein weltliches Herzogtum.

Deutschordensburgen Marienburg und Marienwerder

Das erste Ziel unserer Reise war die imposante Marienburg an der Nogat, südlich von Danzig gelegen, deren Backsteinmauern schon 20 km weit im Umfeld sichtbar wurden. Sie wurde zwischen 1280 und der Mitte des 15. Jahrhunderts aufgebaut. Die Führung durch die Burganlage mit einer Gesamtlänge von über 600 m dauerte vier Stunden und gab uns einen Einblick in die Architektur und die Struktur des ritterlichen Lebens.

Marienburg an der Nogat

Die wichtigste Verwaltungseinheit in Preußen war die Komturei. Ihr Kern bildete der in einer zentral gelegenen Burg sitzende Konvent (zwölf Ritter- und sechs Priesterbrüder) mit einem Komtur an der Spitze. Die Ordensbrüder lebten in einer klösterlichen Gemeinschaft, deren Tagesablauf durch festgeschriebene Regeln bestimmt war. Sie hatten die üblichen Gelübde (Keuschheit, Besitzlosigkeit und Gehorsam) zu beachten und verrichteten täglich verschiedene Chorgebete und Gottesdienste. Die Ritterbrüder nahmen im Kriegsfall aktiv an den Kämpfen teil und standen an der Spitze der Ordensheere. Sie führten auch die Verwaltungsgeschäfte innerhalb der Komtureien.

Die Priesterbrüder versahen den Gottesdienst und waren für die Ordenskanzleien verantwortlich. Das Hochschloss der Marienburg gehört zu den frühen und größten Deutschordensburgen im Kastelltypus. Das Hauptgeschoß besaß die klassische Raumabfolge: Kirche – Zwischenraum/Spital – Kapitelsaal. Nachdem die Marienburg zum Sitz des Hochmeisters auserkoren wurde, kam es zu einem weiteren Ausbau der Burganlage. Die Zahl der Ritter- und Priesterbrüder stieg sprunghaft an, so dass es mehrere und größere Konventsgebäude im Hochschloss bedurfte. Außergewöhnlich war die Verlängerung der Burgkirche, die nun als eigenständiger Bau aus dem Mauergeviert hervortrat.

Bekleidung von Funktionsträgern

Die herausgehobene Stellung der Kirche als geistiger und staatstragender Hauptraum des Deutschen Ordens in Preußen wurde durch die große Madonnenfigur - Maria war die Schutzheilige des Ordens - in der Ostnische unterstrichen. Sie besaß eine Höhe von 8 m und war mit Mosaik verkleidet, wurde allerdings 1945 fast gänzlich zerstört. Im Hauptgeschoß finden sich weiterhin ein großer Kapitelsaal (Remter), Refektorium (Speisesaal) und Dormitorium (Schlafsaal), die durch einen zweigeschossigen Kreuzgang miteinander verbunden sind.

Eine Besonderheit der Deutschordensburgen waren die großen Toilettentürme, Dansker genannt, die durch einen überdachten Verbindungsgang von der Hauptburg erreicht werden konnten. Im Zuge der Vergrößerung der Burganlage kam es auch zu dem Bau des neuen Hochmeisterpalastes, der durch die Formgebung und Funktionalität in der Raumorganisation als der modernste Bau des Spätmittelalters gilt. Zwei turmbesetzte Mauerringe umgeben die Burg und machten sie einst uneinnehmbar.

Weitere Ziele unserer Reise waren die Deutschordensburg in Marienwerder (in der Domkirche liegen die Grabmäler von drei Hochmeister) und die vom Deutschen Orden gegründeten Städte Kulm und Thorn. In dem Wallfahrtsort Tschenstochau konnten wir erleben, wie auch heute noch die Marienverehrung praktiziert wird.

Krakau war die letzte Station in Polen. Seit 1320 bis zum Ende des 16. Jahrhunderts war Krakau Königssitz und die Hauptstadt Polens. Auf dem Wawel-Hügel stehen heute noch das Königsschloss im Renaissancestil und eine gotische Kathedrale (erbaut zwischen 1320 und 1364), in der auch König Stephan Báthory bestattet ist, der als siebenbürgischer Fürst (1571-1576) das sächsische „Eigenlandrecht“ unterzeichnet hatte. Eine weitere Verbindung zu Siebenbürgen besteht durch Johannes Honterus, der hier studierte.

Reise ins Burzenland

Die Reise führte dann an der Hohen Tatra vorbei in die slowakische Zips, wo wir in Käsmark eine große evangelische Holzkirche besichtigten. 1687 wurde diese Kirche aus Holz gebaut, da es den slowakischen Protestanten nur erlaubt war, Kirchen aus dem billigsten Material zu bauen. Hier konnten Mitreisende auch noch Spuren ihrer Vorfahren finden. Eingebettet in die malerische Landschaft der Westkarpaten konnte man sich fragen, warum die Siebenbürger-Sachsen noch weiter gezogen sind und nicht wie die Zipser, die sich hier auch schon im 12. Jahrhundert angesiedelt haben, da geblieben sind.

Über Leutschau, an der Zipser Burg vorbei, die Ähnlichkeiten mit der Rosenauer Burg aufweist, kamen wir nach Kaschau, das 2013 europäische Kulturhauptstadt werden soll. Eine kurze Strecke durch Ungarn führte uns über Miskolc und Debrezin bis nach Großwardein, wo wir bei der Besichtigung der Burg den Erinnerungsspuren von dem römisch-deutschen Kaiser und König von Ungarn, Sigismund von Luxemburg, folgten. Er war es auch, der den Deutschen Ritterorden ein zweites Mal nach Ungarn berufen hatte.

1429 kamen 13 Ordensritter und 100 Hilfskräfte und Handwerker aus Preußen in das Severiner Banat. Auch diesmal ging es um die Stärkung der Grenzen, jetzt vor allem zur Abwehr der Osmanen. Diese blieben hier bis 1437, dem Todesjahr Sigismunds. Über Klausenburg und Schäßburg erreichten wir nach ca. 3000 km schließlich Kronstadt, wo uns von weit her die Zinne bei strahlendem Sonnenschein begrüßte.

Zum Abschluss der Tagung gab es zusammen mit den anderweitig angereisten Tagungsteilnehmern eine Exkursion durch das Burzenland, die uns über Tartlau nach Marienburg, zur Rosenauer Burg und der Bartholomäer Kirche führte. In Tartlau wurde ein Gottesdienst abgehalten, in dem Dr. Ulrich Wien, aktuell Vorsitzender des AKSL, die Predigt hielt. Der Ort, die Tartlauer Kirche, bot sich hierfür in besonderer Weise an, schließlich geht man davon aus, dass der kreuzförmige Grundstein 1218 anfangs vom Deutschen Ritterorden in Form eines griechischen Kreuzes gelegt worden ist und später dann vom Zisterzienser-Orden die jetzige Form eines lateinischen Kreuzes erhielt.

Marienburg am Alt

In Marienburg – jetzt am Alt gelegen – besichtigten wir Kirche und Stätte der ehemaligen Ordensburg, die archäologischen Ausgrabungen zufolge im Burzenland noch nicht die typische Deutschordensarchitektur aufwies, sondern im Stil der Szekler- und Sachsenburgen gebaut worden war. Eindrucksvoll war der Blick über das ganze Burzenland von dem Hügel-Vorsprung, auf dem die aus dem 15. Jahrhundert stammenden Burgreste stehen, was darauf hinweisen könnte, dass der Standpunkt unter strategischen Gesichtspunkten ausgewählt worden war und möglicherweise auch zu einem Zentrum eines Ordensstaates hätte werden können.

Fünf Burgen soll der Deutsche Orden im Burzenland gebaut haben, doch ist die Zuordnung archäologisch nicht abgesichert – auch nicht bei der Törzburg. Der älteste sakrale Bau Kronstadts, die Bartholomäer Kreuzkirche, deren Grundsteinlegung in das dritte Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts fällt, weist allerdings eindeutig den Stil des Kerzer Zisterzienserordens auf, der so wie auch in Tartlau mit dem Bau von sakralen Bauten beauftragt wurde, nachdem der Deutsche Ritterorden vertrieben worden war. Kronstadt wäre allerdings, laut Dr. Harald Roth, wenig geeignet gewesen als Zentralort für den Deutschen Orden ausgewählt zu werden, da der konkurrierende Prämonstratenser-Orden wahrscheinlich bereits schon vor der Berufung des Deutschen Ordens in Kronstadt bestand.

Beeindruckender Abschluss: Gottesdienst in Tartlau

Doch zurück zu Tartlau: ich war nicht wenig überrascht, als ich an dem Sonntag aus dem Bus stieg und vor allem so viele aus Deutschland angereiste Tartlauer antraf, von denen auch das musikalische Rahmenprogramm vor und während des Gottesdienstes dargeboten wurde, was ihnen auf sehr berührende Art und Weise gelungen ist. Wie früher bot sich der Platz vor der Kirchenburg als sonntäglicher Treffpunkt an. Ich fragte mich aber auch, wie diese Begegnung für diejenigen, die dort geblieben sind, gewirkt haben mag: als ein Zeichen der Verbundenheit oder doch eher wie ein Déjà-vu-Erlebnis?

Mittlerweile bin ich auch schon weit gereist und kann nun viel mehr noch als früher ermessen, dass der Bau dieser Kirchenburg eine großartige Leistung ist. Den Blick jedoch nur ein bisschen zur Seite richtend, veranlasste mich, die Augen eher zu schließen. Die verfallenden Schulgebäude der vormals deutschen Schule verfehlten ihre Symbolwirkung nicht. Während ich vor meinem inneren Auge noch das intakte Bild dieser Gebäude aufkommen ließ, realisierte ich aber auch, dass es früher in unserem Geschichts-Unterricht keinen Platz für die Geschichte der Deutschen in Rumänien gab.

Diese Reise half nun, etwas Licht in den blinden Fleck zu bringen. Es wurde deutlich, dass über die Jahrhunderte hinweg es wiederholt eine Ostbesiedlung aus westlichen Gebieten gegeben hat, aber nicht nur von Deutschen, dies eingebunden in die politischen Machtverhältnisse Europas mit ihren jeweiligen Ideologien. Wir durchquerten Länder, die alle dem Ostblock angehörten und wo nun vor allem mit Hilfe von EU-Fördermitteln zumindest die Fassaden in den Städten gerichtet wurden, so dass auch die Architektur der K&K-Monarchie farbenfroh in Erscheinung treten kann.

Beeindruckend und nachdenklich stimmend waren auch die Schilderungen der persönlichen Lebensgeschichten von einzelnen Mitreisenden, die unmittelbar an die Ereignisse des 20. Jahrhunderts gekoppelt sind und die sich unwillkürlich aufdrängten, je mehr wir uns Siebenbürgen näherten. Das Eintauchen in historische Gefilde und vor allem die Schilderung dieser persönlichen Schicksale, halfen mir, etwas mehr von der siebenbürgischen Seele und damit auch von mir selbst zu begreifen.


Autor: T.E.

Erstellt: 21. Dezember 2011 - 9:30. Geändert: 25. Januar 2012 - 21:03.