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Kirchenburg Tartlau - UNESCO-Welterbestätte seit 1999

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Imkerei in Tartlau

Imkerei zu betreiben war eine der beliebten und oft praktizierten Nebenbeschäftigungen vieler Tartlauer. Sie wurde geboren aus der Notwendigkeit als "Selbstversorger" Güter für den eigenen Haushalt herzustellen, diente aber auch als zusätzliche Einnahmequelle durch den Verkauf von Honig. Sie zeugt gleichzeitig vom Fleiß und der Betriebsamkeit der Menschen aus Tartlau, die sich unter wechselnden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedingungen nicht unterkriegen lassen wollten.

Zielsetzung dieses Beitrags und Beginn der Imkerei in Tartlau

Es ist nicht meine Absicht hier einen Beitrag zur rein theoretischen Bienenkunde zu bringen. Für Interessenten auf diesem Gebiete gibt es moderne Literatur von hochqualifizierten Fachkräften, ständig auf dem Laufenden und unter Berücksichtigung der letzten Erkenntnisse aus der Forschung.

Im Folgenden werde ich schlicht über Imkerei und Erlebnisse in diesem Umfeld in Tartlau berichten und zwar von den 1930er Jahren bis gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts. Leider kann ich nur eingeschränkt mit Informationen dienen, weil ich als Pendler von Tartlau nach Kronstadt und darüber hinaus noch nebenberuflich als Klavier- und Akkordeonlehrer beschäftigt war (über weite Zeitspannen täglich von 17 – 19 Uhr) und somit kaum Zeit für die eigene Imkerei hatte. Was auf dem Gebiet der Imkerei so alles gelaufen ist, habe ich wahrscheinlich nur teilweise mitbekommen und hier und jetzt nicht die Möglichkeit zu vollständiger Dokumentation oder gar Quellenforschung.

Broschüre "Rationelle Bienenzucht" von E. Wilk, erschienen 1931 in Kronstadt.

Aus meiner Sicht kann man Herrn Lehrer Emil Wilk, der auch ein Buch als Anleitung zur Bienenzucht geschrieben hat („Rationelle Bienenzucht“, erschienen 1931 in Kronstadt/Braşov), als Vater und Lehrmeister der modernen Imkerei in Tartlau betrachten. Seine Kenntnisse, Erfahrungen und Unterweisungen waren für die damalige Zeit (erste Hälfte des vergangenen Jahrhunderts) absolut hochmodern. Er war auch federführend, mit Vortrag und als Buchautor, auf der Versammlung siebenbürgischer Bienenzüchter tätig, stattgefunden am 4. September 1930 in Tartlau. Bei dieser Gelegenheit wurden auch die Satzungen des Vereins der Siebenbürgischen Imker (als Zweigverein des siebenbürgisch-sächsischen Landwirtschaftsvereins) ergänzt und erneuert, dieses alles zur schon existierenden Vorlage der Oberverwaltung vom 1. Oktober 1895, erstellt noch seinerzeit in der Hauptversammlung zu Hermannstadt.

Überblick zu Tartlauer Imkereibetrieben

Soweit meine Kenntnisse und Erinnerungen bezüglich der Entwicklung von immer mehr Imkereibetrieben in Tartlau (groß, mittel oder klein), es ermöglichen, versuche ich einiges aufzuzählen. Um 1938 startete als Großimkerei der gemeinschaftliche Betrieb der Familien Wilk und Kirres, dann die Familienbetriebe Teutsch (Neugasse), Teck und Incze. Als mittelgroße Imkereien möchte ich aufführen: Frau Jette Schisch und Johann Batschi (beide Langgasse), weiterhin Teutsch (Äschergasse, als „Teutschrichter“ bekannt) mit seiner Imkerei an der Tartel. Als kleine Betriebe wären anzuführen Johann Kaul (als Gemeindehausdiener zeitweilig mit Wohnung im Gemeindehaus) und Bela Balog (Neugasse).

Die beiden Familien-Großimkereien Teutsch (Neugasse) und Teck brachten dann durch Heirat von Söhnen und Töchtern Neubildungen von Imkereien von unterschiedlichen Größen hervor, wie Hans Teck jun., Johann Löx (Neugasse), Wilhelm Guess und Fritz Martini. Ein richtig großer Entwicklungsschub fand in den 1960er Jahren statt, als neue Imkereien wie Pilze aus dem Boden schossen, als Quereinsteiger, oft auch nur für kürzere Zeitspannen, aber auch mittelgroße und langfristige Erfolgsimkereien wie Martin Barthelmie (Langgasse), Johann Rosenauer (Steinreg) und Otto Schmidts (Kroner Gasse). Zusammenfassend kann ich sagen, dass sich auf diesem Gebiete wohl noch um einiges mehr getan haben dürfte, aber außerhalb meiner begrenzten Kenntnisse.

Alle diese erwähnten, als auch die nicht erwähnten Imkerei-Pioniere auf Tartlauer „Hattert“ (Siebenbürgisch-Sächsisch für „Gemarkung“), haben wohl im Laufe ihrer Imkertätigkeit eine Menge Erlebnisse gehabt. Von meinen will ich nun einiges zum Besten geben.

Imkerbetrieb Wilk-Kirres

Meine erste Bekanntschaft mit Bienen ereignete sich um das Jahr 1938 (ich war eben 7 Jahre alt), als mein Vater unter Anleitung und zusammen mit Herrn Lehrer Wilk eine - man kann ruhig sagen - Großimkerei im Strimbultal (oberer Buzău, ca. 60 km von Tartlau entfernt) gründeten. Es handelte sich hier um drei Bienenhäuser im Abstand von jeweils einigen Kilometern als ständige, stationäre Einrichtung über das ganze Jahr hinweg, die Überwinterungen mit eingeschlossen. Die hier erzielten Erfolge waren mehr als zufriedenstellend, weil neben Wiesen auch riesige Flächen von Waldrodungen eine erstklassige Bienenweide boten (Disteln, Weidenröschen, Himbeeren, Brombeeren, u.a.).

E. Wilk und die Bienenhäusern der Großimkerei Wilk-Kirres im Strimbultal bei Vama Buzăului, 1938.

Es wurden jährlich 3.000 – 4.000 kg Honig geerntet. Der Absatz von solchen Mengen bereitete Schwierigkeiten, so dass auch Großkaufhäuser in Kronstadt (zu Rabattpreisen) beliefert wurden. Das Wetter spielte in jenen Jahren hervorragend mit, vor allem genau in den Zeitspannen der Hochtracht, und so floss der Honig in „Strömen“. All dieses beeindruckte mich als Kind ganz gehörig, wohl auch, weil ich immer wieder mithelfen musste (leichtere Handhabungen wie Entdeckeln und Schleudern) und somit auch meinen Anteil am Erfolg hatte. In diesem Umfeld entwickelte sich folgerichtig ein wachsendes Interesse am Imkerbetrieb. Nur die Furcht und vor allem das Zucken bei Stichen ärgerte mich zunehmend, sodass ich mich zur Bienenstich-Therapie entschloss.

Bienenstich-Therapie

Zum Zeitpunkt der Geschichte war ich 12 – 13 Jahre alt und die Teilung der Großimkerei Wilk-Kirres in jeweils eigene Betriebe war schon vollzogen. Desgleichen auch die Verlagerungen der Bienenhäuser (auf größere Distanzen voneinander) geschehen, denn die Weidegründe bestimmten diese Neueinteilung, da die jungen Waldpflanzungen die Weide durch Nachwachsen dezimierten.

Periodische Durchsicht der Bienen.

Meine Gewöhungstherapie, auch durch eigenes wachsendes Verantwortungsgefühl verursacht, bestand aus folgender Handlung: Bienen fangen, an den nackten Arm oder Bein andrücken, möglichst ruhig und beherrscht zugucken und ohne Wehleidigkeit ausharren, bis die Biene ihren Stachel so richtig ausgepumpt hat. Und weil es irgendwann echt Spaß machte, wurde mit einer zweiten Biene gleich auch der andere Arm beglückt. An den nächsten Tagen folgte eine Wiederholung. Der Erfolg war großartig. Seither hatte ich auch in den kribbeligsten Situationen nie mehr Angstgefühle oder auch nur irgendwelche Unsicherheiten oder Nervosität und konnte immer voll auf die jeweiligen Anforderungen konzentriert bleiben.

Schlange im Bienenhaus

Brüder Volkmar und Hans Kirres schauen dem Treiben an der "Bienentränke" aufmerksam zu, Strimbultal 1939.

Ich weiß nicht mehr, ob es Frühling oder Herbst war, jedenfalls irgendwann beim Eintreten ins Bienenhaus sahen wir eine Schlange eingeklemmt in den Spalt zwischen zwei Bienenstöcken. Der Kopf der Schlange befand sich zwischen den Beuten (für uns also unsichtbar), der Rest der Schlange hing vom Podest der Länge nach in den Gehsteig.

Allmählich dämmerte es uns, dass die Schlange tot sein könnte. Mit einem langen Stock tasteten wir sie vorsichtig an. Da fiel sie aus dem Spalt zwischen den beiden Beuten vollkommen heraus und wir stellten fest, dass es sich nur um die Haut einer Schlange handelte, welche ihren Häutungsvorgang zwischen zwei Bienenstöcken über die Runde gebracht hatte.

Wir atmeten auf, ein etwas mulmiges Gefühl blieb aber doch. Wir schliefen ja immer wieder, wenn auch nur für einige Nächte, bei periodischen Durchsichten in eben dem Bienenhaus und der Gedanke, dass wir da nächtliche Besucherinnen haben könnten, war nicht gerade berauschend.

Spitzmaus für das "Wachskabinett"

Auf der Fahrt zum Bienenstand, 1938.

Anlässlich der Frühjahrsdurchsicht der Bienenstöcke im Jahre 1944 erlebten wir eine Überraschung in Form eines Skeletts einer Spitzmaus in der hinteren Ecke einer Beute. Gelbbraun schimmernd, auch die feinsten Knöchelchen mit Wachs überzogen, wenngleich zum Teil, so dünn wie Haar oder Faden, lag da ein Miniatur-Kunstwerk des Labors der Honigbienen, in seiner Vollkommenheit einfach atemberaubend.

Zum Verständnis: jedes Jahr montierten wir im Spätherbst die sogenannten „Hannemanngitter“ vor die Fluglöcher (mittels Reißnägeln). Es waren langgezogene Blechplättchen, etwas länger und größer als die Fluglöcher, mit jeweils mehreren kleinen Öffnungen, welche die Zirkulation der Bienen ermöglichte, den Mäusen aber den Zutritt verwehrte.

Im vorangegangenen Spätherbst aber, sicherlich noch vor der Bildung der Überwinterungstraube des Bienenvolkes, war es einer Spitzmaus gelungen in den Stock einzudringen, wohl weil sich das Gitter verschoben hatte oder sie sogar noch vor der Montage des Gitters eingedrungen war. Damit war aber auch ihr Schicksal besiegelt: sie wurde zu Tode gestochen.

Bienenhäuser im Strimbultal.

Danach setzte die Kleinarbeit ein. Alle Haare, Haut- und Fleischfasern wurden Stück für Stück in kleinsten Teilchen von der Spitzmaus gelöst (mit Rüssel und Beinen) und alles hinaus befördert. Danach wurde das Skelett mit einer hauchdünnen Wachsschicht überzogen, die Maus war somit einbalsamiert.

Dieses wahre Wunderwerk überreichten wir unserem erstaunten Naturkundelehrer der Honterusschule in Kronstadt, Herrn Kenzel. Wie lange das „Anschauungsmaterial“ erhalten blieb, ist ungewiss. Es folgten in rasantem Tempo große Veränderungen: Bombardierungen, Kriegswirren, Auslagerung des Gymnasiums und Einrichtung zum Spital. Es gab gewaltige Existenzprobleme und das Spitzmausskelett wurde völlig vergessen. Oder existiert es doch noch und harrt seiner Neuentdeckung?

Beide Bienenhäuser verschwunden

Frau Holle verursachte die nächste Episode. Im Frühjahr 1948, als wir nur zu zweit mit meiner Mutter eine erste Durchsicht (die Überwinterungsdurchsicht) machen sollten, nahmen wir die Abkürzung von den letzten Häusern der letzten bewohnten Siedlung zu dem Bienenstand. Diese führte über einen Bergrücken, von welchem man, am höchsten Punkt vor dem Abstieg angelangt, einen herrlichen Blick in den Talkessel hatte. Von hier aus hatte man einen guten Blick auf die zwei Bienenhäuser (erbaut aus Balken und Brettern, obendrauf mit Schindeldach) und eine kleine Blockhütte.

Bienenhäuser im Buzăutal.

Diesmal waren aber keine Bienenhäuser zu sehen, sondern nur Schnee, recht viel Schnee, vor allem unten im Tal im grellen Sonnenschein: eine märchenhaft glitzernde Pracht. Die Blockhütte war hingegen klar sichtbar, es war ja Luftlinie wohl kaum 1,5 km Entfernung.

Ich spürte unendliche Wut über diesen Diebstahl. Es war doch jahrelang (auch ohne Bewachung) alles gut gegangen! Damit wären die letzten Jahre Gymnasium mit Abiturabschluss wohl für uns materiell nicht mehr zu schaffen. Als Söhne ehemaliger „Ausbeuter“ (wie meine Eltern nach dem Krieg eingestuft wurden) hatte mein Bruder und ich außer Kost und Quartier in Kronstadt auch noch Schulgeld zu entrichten.

Wie betäubt sind wir dann ins Tal hinuntergestrampelt. Angekommen entdeckten wir dann unsere Bienenhäuser unter mächtigen Schneewehen. Aus der Blockhütte konnten wir einige Geräte holen und die Bienenhäuser freischaufeln. Es war zwar eine Sisyphosarbeit sondergleichen, aber nach vollbrachter Durchsicht stellten wir mit Genugtuung fest, dass eben diese Überwinterung ganz ohne Einbußen stattgefunden hatte.

"Bärenselbstmord" am Bienenstand

Im Sommer 1953, im zweiten Jahr meines Militärdienstes, war ich als Bauarbeiter-Soldat in der Baubranche der rumänischen Volksarmee auf dem Bauplatz der Traktorenfabrik Kronstadt beschäftigt. Da erschien mein Bruder, inzwischen Lehrer in Tartlau, bei mir und berichtete, dass sich ein Bär an einem der Bienenhäuser mit Honig zu versorgen begonnen hat.

Der Bär hatte zu dem Zeitpunkt schon 3 Zwillingsbeuten aus dem Bienenhaus herausgehoben, vorher natürlich die Bretterwand aufgerissen. Die Bienenbeute hat er wohl immer huckepack auf eine Lichtung ca. 150 m weit getragen (um die Jahreszeit bei voller Volksstärke und vor Honigentnahme ein Gewicht von wohl mindestens 100 kg), dann dort die Bienenstöcke zerfetzt und alles Genießbare aufgefressen. Mein Bruder fand nur noch Holzspäne, Sägemehl aus der Fütterung der doppelwandigen Beuten, etwas Draht, Blech, zerriebene Wachsreste und tote Bienen. Die überlebenden Bienen sind dann bei Tagesanbruch selbstverständlich zum Bienenhaus zurückgeflogen, um sich bei intakten Bienenvölkern einzubetteln.

Karte mit Standorten der Bienenhäuser bei Vama Buzăului.

Ein angeheuerter Jäger und mein Bruder lauerten Nacht für Nacht, um den Bären zu erlegen, aber ohne Erfolg. Kaum fehlte mein Bruder auch nur eine einzige Nacht, um sich mit neuem Proviant einzudecken, da hat der Bär sofort wieder zugeschlagen und sich die nächste Beute geangelt. Sehr erstaunlich war dabei auch die Ordnungsliebe dieses Bären, denn er machte genau dort weiter, wo er vor Tagen aufgehört hatte, obwohl die entstandenen Lücken jedes Mal sofort wieder mit Brettern geflickt wurden und von außen alles intakt aussah. Diese Ordnungsliebe sollte bald noch von größter Bedeutung sein.

Mein Bruder war zutiefst ratlos und auf sich gestellt, weil ich meine Stellung als Volksarmist auf dem Bauplatz halten musste.

Im Sommer des nächsten Jahres als ich gerade Freigang zum Wochenende hatte, waren wir in der Lehrerwohnung meines Bruders im Schulgebäude wohl 5-6 junge Männer und bei guter Laune. Um eine Zeit stellten sich auch Hunger und Durst ein. Da hatte mein Bruder den Einfall uns Brot mit Schmalz anzubieten und auch zwei Flaschen Wein zu spendieren mit der Bedingung, dass wir erraten sollten, was das für ein Schmalz ist, den wir da mit Salz und Pfeffer genießen. Gelingt das aber nicht, dann haben wir den Wein anteilig zu bezahlen.

Wir tippten auf Schmalz von Rotwild, Gans und Wildgans, Ente und Wildente, Auerhahn bis Wildschwein, jedoch keine Angabe stimmte. So zahlten wir eben um des Rätsels Lösung zu erfahren. Nun beschrieb er, was sich ein vor einem Jahr zugetragen hatte.

Weil der angeheuerte Jäger auch nicht weiter wusste, hatte er meinem Bruder geraten sich an einen Wilderer im Orte zu wenden. Er bestimmte ihn namentlich und versichert, dass dieser der Einzige in der Gegend sei, der hier helfen kann. Es hatte großer Überredungskunst bedurft, ein Glück auch mit der Frau des Wilderers und dem Umstand, dass auch dieser eine kleine Imkerei besaß, bis dieser sich zur Aktion bereit erklärte. Dann folgte die Inspektion des Tatortes und schon war die Idee geboren. Weil der Bär sich in immer engeren Spiralen dem Bienenhaus nähert, somit Witterung erhält, so der Wilderer, müssen sie (nämlich der Wilderer und mein Bruder) den Tatort verlassen, aber vorher eine Vorrichtung zum "Bärenselbstmord" schaffen.

Glücklicherweise waren wir mit Werkzeug vor Ort gut ausgestattet und der Wilderer konnte im Nu ein Schießgerüst (umfunktionierter Sägestuhl) zusammenbasteln. Dann rammte und befestigte er das Gerüst im Boden auf etwa 20 m vom wahrscheinlich nächsten Eingriff unseres ordentlichen Bären, fixierte die Waffe und spannte das Seil vom Bienenstock zum Abzugshahn. Mein Bruder musste dann als "Ziel" auf allen Vieren kriechen, während der Wilderer die Ausrichtung auf das Ziel und die Fixierung der Waffe vornahm und sich auch überzeugte, dass alle drei Abschusshähne bei geringster Bewegung des anvisierten Bienenstockes ansprachen. Nun wurde der "Drilling" scharf geladen.

Bienenhaus im Strimbultal: Ort des "Bärenselbstmords", 1953.

Ins Dorf zurückgekehrt legten sie sich recht bald zur Nachtruhe mit Weckereinstellung schon vor 2 Uhr. Der Wecker aber versagte und gegen 4 Uhr wurden sie wach. Es folge ein Eilmarsch zum Bienenstand. Bei ihrer Ankunft war es schon heller Tag. Die Morgensonne erreichte eben die Ostseite des Bienenhauses, die Tatortseite, die Bienen begannen emsig ihr Tagewerk und der Bär lag tot da.

Das war große Freude und noch größerer Schrecken zugleich, denn die Schafherde, deren tägliche Route auf ca. 80 - 100 m am Bienenstand vorbeiführte, konnte jeden Augenblick auf dem Weg zu ihren Weideplätzen auftauchen. Eine Meldung an die Behörden hätte viele Jahre Zuchthaus zur Folge gehabt, denn nur die "rote" Nomenklatura hatte im damaligen Rumänien das Privileg zur Bärenjagd und Spitzel gab es auch in Mengen.

Nun galt es rasch zu handeln, denn den 300-400 kg schweren Bären konnten sie nicht bewegen. Der Wilderer versicherte, ein solches Riesenexemplar noch niemals gesehen zu haben. Also wurde der Bär mit grünem Geäst von Bäumen der nächsten Umgebung in Eile völlig abgedeckt, buchstäblich in letzter Sekunde.

Nachdem dann die Schafherde außer Sicht war, wurde der Bär zerlegt, die einzelnen Stücke auf die Lichtung getragen und tief vergraben - ohne Stein mit Grabinschrift. Zuvor hatte der Wilderer einige größere Fettstücke herausgeschnitten, seine Frau das Fett gebraten und meinem Bruder auch 2-3 Gläser Bärenschmalz als kleine Beigabe mitgegeben. Für den risikoreichen Einsatz hatte der Wilderer natürlich, wie vorher abgemacht, auch einen ordentlichen Lohn erhalten. Dieses klingt wie Jägerlatein, ist aber wahre Begebenheit, die mit Bärenschmalzbrot- und Wein-Abendmahl zum Gedächtnis eines "ordentlichen" Bären ihr Ende fand.

Wanderimkerei und "Zigeunerin"-Abenteuer

Ab Mitte der 1950er Jahre war unsere Imkerei schon vollständig auf Wanderbetrieb ausgerichtet. Auf Podesten mit ausgelegten Brettern wurden jeweils 5 "Zwillinge" (10 Völker) aufgestellt. Vier solcher Stände und eine kleine Arbeits- und Schlafkabine (4 Wände und Dach in 20 Minuten aufzustellen oder abzuräumen) bildeten unseren Wanderbetrieb. Die Imkerei hatte insgesamt stets nur 40 Völker, weil eine größere Imkerei nebenberuflich und als Pendler nicht beherrschbar gewesen wären.

Das alles wurde bei jeder Wanderung vorbereitet, auf einen LKW verladen und nach der Ankunft wieder aufgestellt. Nach der Honigentnahme Ende Juni fand regelmäßig die Wanderung aus der Heuwiese Tartlau in die Berge des Buzău (auf ca. 60 - 70 km Entfernung) statt. Zunächst mussten aber die vollen Honigkrüge aus der Heuwiese nach Tartlau geschafft, in größere Kannen geleert und zum Verrinnen gestellt werden.

Kleine Mahlzeit auf improvisiertem Tisch vor der "Bienenhütte".

Unter diesen Gegebenheiten hatte ich Anfang der 1960er Jahre ein seltsam, skurriles Erlebnis. Wir waren mit meiner Frau soweit fertig, die Kannen mit dem geschleuderten Honig standen in Reih und Glied, die demontierte Kabine war zum Verladen ebenfalls bereit. Nur der Geländewagen zum Abtransport der Honigkannen kam und kam nicht, obwohl der vereinbarte Zeitpunkt schon um ein Erhebliches überschritten war.

Da setzte ich mich auf das Fahrrad, um ins Dorf zu fahren und nachzuschauern. Als ich nun aus der Heuwiese kommend am Wäldchen entlang fuhr, kurz vor Beginn der Asphaltstraße, stand ein ungefähr 10jähriges Zigeunermädchen am Wegesrand, winkte mit beiden Armen und verkündete mir, ich solle es mit ihrer Schwester "tun", die hätte große Lust dazu.

Tatsächlich kniete jenseits des Straßengrabens eine ungefähr 17jährige Zigeunerin im Gras, schlangenförmig hochgerekelt, Brust heraus, kreuzhohl. Sie blickte mich neugierig und verheißungsvoll an. Ich glotzte zuerst wie erstarrt und sprachlos auf dieses Schauspiel. In Gedanken aber sah ich dann auch schon meine Frau brav auf den Honigkrügen sitzen und ihren Wachdienst über unsere gesamte Imkerhabe gewissenhaft ausführen und auch der Hans Lukas konnte jeden Augenblick mit seinem Wagen erscheinen.

In Anbetracht dieses gesamten Komplexes von Umständen hatte ich es (wieder einmal) leicht als aufrechter Charaktermensch die Szene zu verlassen. Wenn auch etwas verwirrt, radelte ich weiter. Es war auch höchste Zeit, denn schon nach einigen 100 m tauchte Hans Lukas mit dem Geländewagen auf. Die ganze Wanderung ging flott vonstatten, nur die Beichte bei meiner Frau verzögerte sich um gleich viele Monate ganz beträchtlich.

Der Wolkenbruch mit Hochwasser

Dieser Wolkenbruch bedeutete beinahe das Ende unserer Imkerei.

Gegen Ende Juli 1966, am Nachmittag des Freitags vor dem sonntäglichen Fußball-WM-Finale England gegen Deutschland im Wembleystadion ging in Tartlau ein ziemlich heftiges Sommergewitter nieder, aber ohne größere Folgen. Wie sich später herausstellte waren die Auswirkungen auf unsere Bienenstände viel dramatischer: von 4 Ständen wurden 2 weggespült und die anderen 2 bis zu einer Handbreite oberhalb der Fluglöcher (also das untere Viertel) durch das eingedrungene Wasser mit gelbem Schlamm völlig verdreckt.

Durchsicht der Bienen in voller "Montur", manchmal bei sengender Hitze.

Von den weggespülten Bienenstöcken waren dann nur noch geringe Teile als Kleinholz viele Kilometer abwärts angespült worden. Das Toben dieser entfesselten Wassermassen muss einfach enorm gewesen sein. Es hätte noch schlimmer kommen können, denn auf der Wiese im Tal lagen dicke Baumstämme wie Streichhölzer geknickt herum und auf den Forstwegen waren unwahrscheinlich große Löcher über 1 m tief und 3 -4 m lang und breit einfach ausgehoben worden (vielleicht durch spontan gebildete Strudel?).

Ich war zutiefst zerstört, haderte mit dem Schicksal und war nahe daran das Handtuch zu werfen. Eine kleine Imkerei über das ganze Jahr stationär in Tartlau zu betreiben, war nicht besonders erfolgversprechend und Wanderimkereien sind wegen der Betriebskosten erst ab einer gewissen Größe rentabel.

Doch es sollte sich alles schon wieder einrenken, denn das darauffolgende Jahr war derartig erfolgreich, dass wir den Bienenbestand wiederum ganz erheblich steigern konnten. Unwahrscheinlich viele Waben wurden ausgebaut und wir konnten auch eine recht ordentlichen Honigernte erzielen. Neue Hoffnung und Unternehmenslust kehrten ein zusammen mit dem Vertrauen in die Allgewalt der Natur, die zwar hart im Nehmen ist, aber auch im Überfluss geben kann.

Der größte Schwarm aller Zeiten auf Tartlauer "Hattert"

Dieser Vorfall ereignete sich in einem Juni gegen Ende der 1960er Jahre in der Heuwiese von Tartlau, als ich zu einer Routinedurchsicht unserer Bienen auch meinen damals 8-9 Jahre alten Sohn mitnahm.

Erwähnenswert ist, dass der Zeitpunkt dieser Routinekontrolldurchsicht, welche vor allem auch der Schwarmvorbeugung dienen sollte, um Schwächung durch Zersplitterung der Völker zu verhindern, diesmal um einiges verspätet stattfand und die Schwarmtätigkeit eben explosionsartig losging.

Am besagten Tag hatte ich mit Assistenz meines Sohnes so gegen 10 Uhr schon mehrere Völker durchgesehen und entsprechend behandelt. Da gab es plötzlich ein "Aufbrausen": ein Schwarm begann mit Hochdruck seinen Mutterstock zu verlassen. Es bildete sich nach einer Weile die kreisende, große "Brauseglocke" auf nur ca. 20 m vom Bienenstand. Dann geschah urplötzlich ein sozusagen zeitgleiches "Aufbrausen" bei noch 3 weiteren Bienenvölkern, im Abstand von wohl kaum mehr als jeweils 2 Minuten.

Zunächst blieb ich ratlos, wie angewurzelt und handlungsunfähig. Dann konnte ich durch Schließen der Fluglöcher das restlose Schwärmen verhindern. Die schon geschwärmten Bienen jedoch wurden wie von einem Magneten von der schon vorhandenen, sich im Kreise drehenden großen "Brauseglocke" des ersten komplett ausgeschwärmten Volkes angezogen und absorbiert.

Anstatt sich aber in Richtung Wald aufzumachen, wo die "Suchbienen" wahrscheinlich schon vor Tagen eine ständige Bleibe ausgemacht haben dürften, ließ sich der Riesenschwarm in einem Gestrüpp des zugewachsenen ehemaligen Bewässerungskanals auf ungefähr 100 m vom Bienenstand nieder, weit ausgefächert in einem Raum von etwa 2 x 2 x 2 Meter.

Manchmal hat man sich beim Wandern mit anderen Imkern zusammengetan, wie hier in Iveşti 1966.

Nun kam die große Stunde meines kaum 9jährigen Sohnes. Seine Mission war, während ich die Bienendurchsicht am Stande fortsetzte, mit Hilfe von getrockneten, schwelenden Schilfkolben als Rauchspender diese Krabbelgesellschaft konzentrisch in die Richtung des ausgelegten "Aufsatzes" (dünnwandiges Holzlädchen mit Boden von der Größe eines Bienenstockes) zu lenken. Das geschah gleichzeitig von 4 Enden her, die abgebrannten Rauchspender mussten ständig durch neue ersetzt werden und durch leichtes Blasen gab er die Richtung mittels gelenkter Rauchschwaden vor.

Nach etwa 2 Stunden hörte ich so etwas wie ein "Siegesgeschrei". Ich ahnte, dass zu diesem Zeitpunkt die Königin endlich im Aufsatz Platz genommen hatte. Herbeigeeilt konnte ich staunend sehen, wie noch beträchtliche Teile des Schwarmes diesmal im Eilschritt zum Aufsatz strebten, von oben, von unten, aus allen Richtungen: ein erstaunliches Schauspiel im Wettlauftempo. Die Rauchnachhilfe wurde eingestellt und im Nu war dann das Gestrüpp bienenfrei und der Aufsatz brechend voll mit Bienen. Sie saßen auch an den Außenwänden in Schichten, so dass ich nur mit größter Mühe, Sorgfalt und viel Zeitaufwand die Einquartierung in die schon vorbereitete Beute vornehmen konnte.

Als dann alles vollbracht war, hing aus dem Flugloch ein riesiger "Bart" von Bienen heraus, der auch nach oben die Stirnwand völlig bedeckte. Das Werk war also getan und auch eine Integration von noch 3 fremden Teilschwärmen im Mutterscharm ganz friedlich und glatt abgelaufen, ganz ohne ideologische Aufklärungsarbeiten über Zusammenleben.

Dieser Ablauf war für mich völlig überraschend, weil ich ja die Wachsamkeit und Kampfbereitschaft der Bienenvölker zur Genüge kannte, vor allem an ihren Fluglöchern, wo beim kleinsten Fehltritt eines "Fremden" (vor allem Bienen) sofort der Kampf folgt. Es dämmerte mir die Einsicht, dass die Schöpfung in ihrer Weisheit ihre Geschöpfe auch für die seltsamsten Fälle mit richtigen Verhaltensformen ausgerüstet hat, wo anders als im Bedrohungsfalle eben angemessen differenziert reagiert wird, einfach aus gesundem Naturinstinkt heraus.

Ende eines Imkerbetriebs

Es ließen sich noch eine Menge interessanter Erlebnisse und Begebenheiten erzählen, wie sie ja wohl jeder der anfangs erwähnten Imker auch erlebt hat. Ich möchte nun aber zum Ende kommen, das sich - wie so vieles - in unseren Imkerjahren anders gestaltete als erwartet.

Einmal führte uns die Wanderimkerei auch in die Akazientracht, 1966 in Iveşti.

Durch einen schweren Schlaganfalls meines Vaters war für uns (nämlich meine Frau und mich), eine Wanderimkerei aus Zeitgründen nicht mehr möglich. Wir waren beide täglich turnusmäßig gefordert. Die stationäre Imkerei in Tartlau erwies sich als unhaltbar und unrentabel und künstliches "Nachhelfen" durch Füttern von Zucker war nicht unser Ding.

Nachdem wir einige Jahren die Imkerei auf "Sparflamme" betrieben hatten, kam die Erkenntnis, dass die Fortsetzung der Imkertätigkeit wenig Sinn hatte. In einem Sommer stellten wir rechtzeitig die Bruttätigkeit ein (Königinnenmord), zum günstigen Zeitpunkt wurde der Honig geschleudert, die Beuten wurden "geschwefelt" und die Waben verkauft. Die Waben wären langfristig, ungeachtet aller Vorkehrungen, unweigerlich der Wachsmotte zum Opfer gefallen.

Dann wurden die Beuten gereinigt, in Reih und Glied in Etagen in der Scheune aufgestellt, geschützt vor Sonne, Regen und Wind, nebst Schränken, Schleuder, Wabenpresse und übriges Gerät. Geplant war, dass später (wahrscheinlich nach Renteneintritt), der Imkerbetrieb neu eröffnet wird auf der schon vorhandenen Basis. Das ist dann nicht mehr geschehen. Wir "schwärmten" vielmehr zusammen mit unseren Landsleuten aus unserer Heimat Siebenbürgen aus, um hier in Deutschland ein neues Zuhause zu finden.

Fazit

Rückblickend kann ich unsere Imkernebenbeschäftigung als eine große Bereicherung unseres Lebensinhaltes einstufen. Ich sage "unsere" Imkerei, weil ich so ziemlich alles zusammen mit meiner Frau bewältigte, die sich nach unserer Heirat sehr bald hervorragend eingearbeitet hatte.

Wir waren in kürzester Zeit ein prima funktionierendes Team, weil nicht nur Interessen, sondern auch die Mentalität übereinstimmte. Unter der weiter oben angeführten Bereicherung verstehe ich nicht nur die materielle, sondern auch die rein gefühlsmäßige Seite. Wir hatten beide schon bei der Anfahrt zu Kontrolldurchsichten wieder und wieder ein kribbeliges Gefühl im Bauch, denn es galt zu erfahren, ob wir beim vorherigen Male alles richtig eingeschätzt und eingestellt hatten, die beiden großen "W" - Wetter und Weide - mit prophetischer Voraussicht miteinbezogen hatten.

Es war oft ähnlich wie mit einem Roulette-Spiel, stets spannend und interessant. Die Erwartungen erfüllten sich oft, es gab aber auch Überraschungen im positiven wie auch im negativen Sinne. So fühlte man sich (wie das so rein menschlich ist) oft als Meister seines Faches oder Handwerks, um schon beim nächsten Male eine Lektion über die eigenen Unzulänglichkeiten zu erhalten, denn die Natur ist der Lehrmeister und in ihrer Allmacht als Selbstregelungssystem unerschöpflich. Die Bienen gehören dazu und wir Menschen auch.

Nichts von den erlebten und gelebten Freuden und Mühen möchten wir missen, nicht die schweißtreibenden, mit Stichen gepflasterten Arbeitstage, oft auch Nächte, nicht das Wechselbad von Erfolgen und Rückschlägen. Man war am Puls der Natur oder Schöpfung, hat mitgefühlt, gebangt, gehofft: es war die Freude am Erleben. So ist der Mensch nun einmal: er vermutet oder ist gar überzeugt davon, dass das, was ihm Spaß macht auch anderen Freude bereitet. Vielleicht ist es gut so - oder?

Quellen: Fotos aus Familienalbum Kirres

Autor: Volkmar Kirres sen.

Erstellt: 6. Dezember 2009 - 15:52. Geändert: 3. Mai 2010 - 11:33.