+++ Neue Vorstandsnachrichten: Heimattag 2019 und Treffen 2020 +++

+++ Die Termine für 2019 finden Sie hier +++

Kirchenburg Tartlau - UNESCO-Welterbestätte seit 1999

.

Die Deckstation Tartlau

Mit dem Namen von Tartlau war auch ein erfolgreiches landwirtschaftliches Unternehmen eng verknüpft: die Deckstation. Seit der Gründung im Jahre 1958 hat sich das Unternehmen beständig weiter entwickelt und maßgeblich zum Erfolg der anderen landwirtschaftlichen Betriebe (staatlich und privat) der Region beigetragen.

Viehzucht und Landwirtschaft in Rumänien

Von jeher war die Viehzucht in Rumänien - neben dem Ackerbau - ein bedeutender Zweig der Landwirtschaft und zuständig für die Lieferung von Grundnahrungsmitteln sowie auch von Arbeitstieren für verschiedene Dienstleistungen: Pferde, ja auch Rinder, wurden vor allem in den vorigen Jahrhunderten als Zugtiere eingesetzt, in der Zeit als Rumänien noch ein rückständiges Agrarland war.

Das einstige Agrarland wurde nach dem Zweiten Weltkrieg forciert industrialisiert, wobei Grundstoff- und Schwerindustrie überproportional entwickelt, dagegen die Konsumindustrie und Landwirtschaft, vor allem auch die Viehzucht, die hier im Vordergrund steht, vernachlässigt wurden. Diese Disproportionen führten seit Anfang der 1980er Jahre in eine Wirtschaftskrise mit drastischer Verschlechterung des Lebensstandards der einheimischen Bevölkerung.

Erst nach dem Ende der kommunistischen Herrschaft begann ab 1994 eine allmähliche Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage, vor allem der Landwirtschaft inklusive der Viehzucht. Nach dem Regierungswechsel im Jahre 2000 wurde auf die Liberalisierung aller Wirtschaftszweige großes Gewicht gelegt, was sich auch im Anstieg des Lebensstandards der Bevölkerung bemerkbar machte.

Die natürliche Deckstation

In der Viehzucht spielt die Vermehrung (Reproduktion) eine wichtige Rolle. Die Befruchtung wurde anfangs über den Natursprung, die natürliche Art und Weise der Befruchtung eines weiblichen Nutztieres durch ein männliches Exemplar, durchgeführt.

Der Natursprung kann in zwei Formen erfolgen: entweder als Weidesprung, in dem das männliche Nutztier gemeinsam mit dem paarungsbereiten weiblichen Nutztier auf eine Weide gestellt wird (kommt vor allem bei Jungtieren zur Anwendung), oder an der Hand, wobei der Deckakt hier kontrolliert durch den Menschen in den sogenannten natürlichen Deckstationen (Rumänisch: „Staţia de montă naturală“) vollzogen wird.

In Tartlau befand sich die Deckstation in der Kronstädter Straße, Nr. 133, in einem Gebäudekomplex mit Hof und Garten sowie einer ca. 2 Hektar großen Wiese für den Auslauf. Hier war während der österreichisch-ungarischen Besatzungszeit eine Militär-Polizeistation eingerichtet, später auch die rumänische Polizei.

Die Deckstation wurde vom Tartlauer Bürgermeisteramt koordiniert und aus dem Gemeindeetat finanziert. Der Deckakt war kostenpflichtig und die Bezahlung beim ersten Sprung fällig.

Hier befanden sich Kuh- und Büffelstiere. Letztere wurden später auch in Privatwirtschaften untergebracht. Diese wurden täglich in die Herde gelassen und auf die Weide mit den weiblichen Rindern. Der Deckakt bei den Büffelkühen wurde von den Herdtreibern gemeldet, der bekam dann als Belohnung Lebensmittel wie Brot, Maismehl oder Speck nach einer offiziellen Bestimmung. In den Deckstationen gab es zusätzlich auch Hengste und Eber.

Für die Schafe wurde die Reproduktion von den jeweiligen Besitzern oder Schafherdenbetreiber organisiert. Die Besamung wurde von selbstgezüchteten Widdern (der Widder oder Schafbock ist das männliche Schaf) auf natürliche Weise im Herbst durchgeführt, so dass die Lämmerzeit auf Januar/Februar fiel.

Berichtenswert aus dieser Zeit ist auch ein Unfall, der sich in der Privatwirtschaft von Hans Junesch (Kröteneck) mit einem Büffelstier ereignete, den er in Besorgung hatte. Als Hans Junesch den Büffelstier in die Herde hinaustrieb, wurde der Stier aggressiv und verletzte ihn sowie dessen herbeigeeilten Sohn Hermann lebensgefährlich.

Gründung der Deckstation als eigenständiges Unternehmen

Dann kam die große Wende auch in Tartlau. Im Mai 1958 wurde per Beschluss der Großen Nationalversammlung das „Unternehmen für Vermehrung und Bekämpfung der Unfruchtbarkeit bei Tieren - Tartlau, Kreis Zeiden“ (Rumänisch: „Centrul de reproducţie si combaterea sterilităţii - Prejmer, raionul Codlea“) gegründet mit Sitz in Tartlau, Kronstädter Straße, Nr. 133. Finanziert wurde es aus dem Etat des Kreises Zeiden.

Das Personal aus der Gründungszeit des Unternehmens.

Anfangs waren 18 Mitarbeiter in dem Unternehmen beschäftigt. Das Führungspersonal setzte sich zusammen aus:
- Ing. Florin Dinu (Direktor)
- Wilhelm Hergetz (Ökonomischer Leiter)

Als technisches und administratives Personal waren beschäftigt:
- Dr. Cornel Bălcăceanu (Tierarzt )
- Techniker Hans Plontsch (Laborant)
- Techniker Hans Junesch (Agrartechniker)
- Erich Lautmann (PKW-Fahrer)

Der Rest des Personals waren Arbeiter im Bereich Tierhaltung und Reinigungspersonal.

In der Anfangsphase gab es große Herausforderungen. Es mussten Investitionen getätigt und umfangreiche Renovierungsarbeiten durchgeführt werden. Die bestehenden Gebäude waren alt und baufällig. Die Renovierungsarbeiten beliefen sich im laufenden Jahr 1958 auf 150.000 Lei (damaliger Wert). In den folgenden Jahren wurden dann Investitionen im Wert von ca. 7 Millionen Lei durchgeführt.

Es wurden zahlreiche Räumlichkeiten geschaffen und eingerichtet: Laborräume, Sprungraum zum Absamen der Stiere und Widder (Schafböcke), Büroräume, Garagen, Lagerräume für das Futter, Ställe für die Unterkunft der Stiere, Hengste, Widder, Arbeitstiere (Pferde) und Schweine (Eber).

Arbeitsabläufe im Unternehmen

In den folgenden Jahren verbreitete sich auch in Siebenbürgen, Kreis Kronstadt, die fortgeschrittene Arbeitsweise auf dem Gebiet der Befruchtung von Tieren. Man setzte mehr und mehr die künstliche Besamung ein. Hierbei handelt es sich um die künstliche Übertragung von Sperma in den Uterus der jeweiligen Muttertiere (Kühe und Schafe), u. zw. mittels Injektionsspritze, später mittels Glaspipette.

Die Erfolgsrate beim Natursprung liegt bei ca. 85%, während sie bei der künstlichen Besamung bei nur ca. 65 – 75% liegt. Dafür bietet die künstliche Befruchtung andere Vorteile. Es entfallen aufwändige Tiertransporte und von hochwertigen Vatertieren können sehr viel mehr Nachkommen produziert werden, Nachkommen mit verbesserten Qualitäten (höhere und qualitativ hochwertige Milch-, Woll- oder Fleischproduktion).

Der Vorgang der Absamung und Besamung wurde von einem hierfür speziell ausgebildeten Techniker durchgeführt. Innerhalb der Deckstation hatte er eine Schlüsselrolle.

Die Labors wurden mit modernen Geräten ausgestattet, so auch das Labor in Tartlau. Hier wurde das Sperma entnommen und aufbereitet. Das Sperma kann bei niedriger Temperatur (2-5 °C) mehrere Tage in eigens dafür hergestellten Thermobehältern aufbewahrt werden. Dazu werden diese Behälter zusätzlich mit Eis gekühlt.

Bei einem Sprung für die Samenabnahme liefert ein hochwertiger Stier 6-7 cm³ Samen. Der Samen wurde je nach Dichte und Beweglichkeit der Samenzellen im Verhältnis 1:10 bis 1:15 verdünnt. Der hierfür benötigte Verdünner wurde im Spermalabor aus folgenden Erzeugnissen hergestellt: Glukose (Traubenzucker), Eidotter, sterilisierter Milch und Penicillin.

Auf diese Weise wurden aus einer Samenabnahme im Durchschnitt 100-120 Dosen hergestellt. Eine Dose enthielt etwa 1 cm³ verdünnten Samen und war ausreichend für einen künstlichen Besamungsvorgang einer Kuh. Eine Kuh, die befruchtungsbereit (läufig) war, wurde normalerweise zweimal (morgens und abends oder umgekehrt) besamt.

Widder der Rasse „Romy-Marsh“ im Auslauf.

Somit konnten bei dieser Methode der Besamung von einem Absamungssprung ca. 50-60 Kühe künstlich besamt werden. Im Vergleich dazu hätte mit der herkömmlichen, natürlichen Befruchtung nur eine Kuh gedeckt werden können.

Ein Stier wurde zweimal wöchentlich abgesamt und nach ca. 8-10 Jahren intensiver Samenabnahme ausgemustert und geschlachtet.

Ähnliches gilt auch für Schafe. Es wurden vom Landwirtschaftsministerium hochwertige Schafrassen eingeführt, zum Beispiel aus der damaligen DDR der Merino-Fleisch-Widder und aus Australien der Romy-Marsh-Widder.

Die künstliche Befruchtung wurde jeweils im Herbst über einen Zeitraum von nur 45 Tagen betrieben, um die Lämmerzeit im Januar/Februar zu erzielen. Die Widder wurden täglich während dieser 45 Tage abgesamt und das Sperma auf die gleiche Art wie bei den Stieren im Labor verdünnt, aufbereitet und in Samendosen gefüllt.

Einmotoriges Flugzeug, mit dem der Samen geliefert wurde. Auf dem Bild zu sehen: der Pilot, der PKW-Fahrer Hans Lukas und Wilhelm Hergetz.

Die Samendosen wurden dann per Flugzeug mit Fallschirmen an festgelegten Stellen (wo die Schafherden stationiert waren) abgeworfen und vom Besamungstechniker in Empfang genommen. Diese Art der Belieferung mit dem Flugzeug lief nur ein Jahr, da es zu kompliziert und kostspielig war. In den folgenden Jahren wurde der Samen mit Personenkraftwagen angeliefert.

Bei den Schweinen wurde die Vermehrung durch den Natursprung in Deckstationen vollzogen, die in allen Ortschaften eingerichtet waren. Es wurden regelmäßig hochwertige Eber aus bestimmten Einheiten eingekauft (wie z. B. aus dem Schweinekomplex Marienburg/Feldioara) und die alten Tiere geschlachtet. Der Ertrag aus der Schlachtung wurde ans Finanzministerium überwiesen. Die Anschaffung der Zuchteber wurde aus zentralen Investitionsfonds getätigt.

Änderung und Modernisierung der Abläufe

Bei den Schafen wurde nach 1980 teilweise nicht mehr künstliche Befruchtung betrieben, sondern auch durch den Natursprung (Weidesprung) gedeckt. Aus Investitionsfonds wurden über 2000 Widder gekauft (hauptsächlich von der Rasse „Ţigaie“, einige „Ţurcana“ und „Romy-Marsh“).

Jeweils im Herbst wurden die Widder dann für ca. 45 Tagen den natürlichen Deckstationen der Schafherdenbetreibern (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften, Staatliche Landwirtschaftsbetriebe oder Privatpersonen) gegen Bezahlung des Deckgeldes zur Verfügung gestellt. Diese Einnahmen wurden an das Finanzministerium überwiesen.

Dieses Verfahren bereitete uns große Schwierigkeiten, da viele Einheiten (vor allem die landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften) nicht zahlungsfähig waren.

Widder der Rasse „Romy-Marsh“ beim Füttern.

Nach Beendigung der Deckperiode kamen die Widder stark abgemagert wieder in das Unternehmen zurück, um für die folgende Deckperiode wieder „aufgepäppelt“ zu werden.

Ab 1984 wurde weiter modernisiert. Das Sperma zur künstlichen Befruchtung von Kühen wurde nun in Pipetten tiefgefroren bei –196 °C in flüssigem Stickstoff konserviert. Mit diesen Pipetten wurden das Sperma dann direkt in den Uterus der Kühe eingespritzt.

Die benötigten Samenpipetten wurden nicht mehr selber produziert, sondern von einer Station aus Bukarest oder Tg. Mureş, gekauft. Dies war durch die beinahe unbegrenzte Konservierungsdauer möglich geworden. Natürlich mussten einige neue Geräte und Aufbewahrungsbehälter angeschafft werden.

Die Einführung des neuen Verfahrens brachte bedeutende Einsparungen. Die Stierhaltung war überflüssig geworden und damit auch das Personal aus der Tierhaltung, Samenaufbereitung sowie der Beschaffung oder Herstellung des Futters.

Das Sperma war für Privatpersonen kostenlos, dagegen mussten die landwirtschaftlichen Einheiten bezahlen. Kostenpflichtig war auch die Besamung als Tätigkeit.

Struktur des Unternehmens und weitere Entwicklung

Im Jahr 1965 wurde das Unternehmen in „Centrul regional de reproducţie si selecţie a animalelor - Prejmer“ (oder kurz CRRSA, was soviel bedeutet wie „Regionales Zentrum für Reproduktion und Auslese von Tieren“) umbenannt und war dem Exekutivkomitee des Bürgermeisteramtes der Region Kronstadt unterstellt.

Gleichzeitig wurde das Unternehmen wesentlich vergrößert. Es wurde eine Abteilung aus Zeiden (rum. Codlea) mit 32 Mitarbeitern (hauptsächlich Techniker) eingegliedert. Diese hatten die Aufgabe, die Milch- und Fleischproduktion der Kühe, sowie die Woll- und Fleischproduktion der Schafte zu überwachen und zu fördern. In der Fleischproduktion von Schweinen wurde die Gewichtzunahme in möglichst kurzer Zeit verfolgt. Das allgemeine Ziel dieser Aktivitäten war die Verbesserung und Steigerung der wirtschaftlichen Erfolge der staatlichen Landwirtschaftseinheiten (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft, Staatliche Landwirtschaftsbetrieb) sowie der Privatwirtschaften der damaligen Region Kronstadt.

Weiterhin kamen zwei ehemalige, inzwischen aufgelöste, Deckstationen hinzu: eine aus Mediasch (rum. Mediaş,), die andere aus Hermannstadt (rum. Sibiu). Beide hatten ein Absamungslabors und ca. je 24 Stiere, die materiellen und technischen Mittel, sowie die nötigen Mitarbeiter im Außendienst (Besamungstechniker und Kontrollorgane) für die jeweiligen, dazugehörigen Ortschaften.

Sogar über die Region Kronstadt hinaus wurden Niederlassungen gegründet. Diese waren in folgenden Ortschaften angesiedelt: Kronstadt (rum. Braşov), Sf. Gheorghe, Tg. Secuiesc, Covasna, Fogarasch (rum. Făgăraş), Reps (rum. Rupea), Agnetheln (rum. Agnita), Schäßburg (rum. Sighişoara), Mediasch (rum. Mediaş), Hermannstadt (rum. Sibiu).

In diesen Niederlassungen arbeiteten je nach Größe der dazugehörenden Ortschaften folgende Mitarbeiter: 1-2 Ingenieure, ein Tierarzt, ein Techniker, ein Laborant, 1-2 PKW-Fahrer.

Nach all diesen Erweiterungen hatte das Unternehmen insgesamt 377 Mitarbeiter. Inzwischen war das Unternehmen zu einem gut organisierten, spezialisierten Unternehmen ausgereift, mit anerkannten Ergebnissen, die sich unter den besten zehn Einheiten auf Landesebenen sehen lassen konnten.

Bei einem Besuch aus der Bundesrepublik Deutschland des ehemaligen Besamungstechnikers Michael Gunesch mit Ehefrau aus Neustadt machten wir ein Erinnerungsfoto mit den engsten Mitarbeitern, hauptsächlich Büro- und Laborangestellten (1970er Jahre).

Es kamen etwa 17 Geländewagen zum Einsatz, notwendig für die Transporte des biologischen Materials sowie für die Beförderung des technischen und administrativen Personals. Für die optimale Verteilung des Samens wurden auch öffentliche Verkehrsmittel in Anspruch genommen.

1984 wurde das Unternehmen erneut umbenannt: „Anstalt für Reproduktion und Auslese der Tiere – Kronstadt“. Ein Jahr später wurde der Sitz nach Kronstadt, Marienburger Straße Nr. 20A, verlegt. Der alte Sitz aus Tartlau samt allen Wirtschaftsräumen wurde laut Ministerialbeschluss an das Pasteur-Institut übergeben. Nachteil für mich und alle anderen Angestellten aus Tartlau war, dass wir nun nach Kronstadt pendeln mussten.

Die vorhandenen Stiere wurden überflüssig. Sie wurden an bestehende natürliche Deckstationen in einigen Bergdörfern (Bran, Fundata, Sâmbăta, u.a.) zur Nutzung abgegeben oder geschlachtet.

Gleichzeitig wurden die Niederlassungen außerhalb des Kreises Kronstadt ausgegliedert, so dass nur ein Gesamtpersonal von 130 Personen übrig blieb. Personell ist das Unternehmen somit beträchtlich zusammengeschmolzen, funktionierte aber immer noch tadellos. Für mich als ökonomischen Leiter war es sogar bedeutend einfacher, die Arbeit von weniger Personal, das über eine kleinere Fläche verteilt war, zu organisieren.

In meiner 32jährigen Amtszeit als ökonomischer Leiter dieses Unternehmens habe ich mit 5 Direktoren zusammengearbeitet. Mit den meisten habe ich gut zusammengearbeitet, mit einigen hatte ich jedoch auch Meinungsverschiedenheiten und Auseinandersetzungen, die von unseren Vorgesetzten auf Kreisebene geschlichtet werden mussten. Gewöhnlich lautete dann das Ergebnis so: „Lasst den Deutschen machen, der weiß, was er zu tun hat und was recht und legal ist“ (rum. „Lăsaţi pe neamţul, el ştie, ce-i drept si legal“).

Nach meiner Pensionierung im Jahre 1990 wurden innerhalb eines Jahres gleich 3 ökonomische Leiter eingestellt und gewechselt. Seit meiner Auswanderung in die Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1991 habe ich keinen Kontakt mehr mit dem Unternehmen gehabt.

Persönliche Erlebnisse

Zum Schluss möchte ich einige Ereignisse und Erlebnisse aus den Jahren meiner beruflichen Tätigkeit schildern.

Wirbelsturm in Tartlau, zufällig fotografiert vom Turm der Kirchenburg am 10. August 1970.

Am 10. August 1970 hat ein orkanartiger Wirbelsturm über Tartlau getobt und große Sachschäden angerichtet. Der Sturm kam im Westen der Gemeinde etwa im Bereich der Staatsfarm auf, fegte über die Gemeinde, bis er in den Feldern hinter der Mühlgasse wieder abflaute. Es wurden einige Anwesen und Ställe teilweise zerstört und sogar etliche Tiere getötet.

Bei der Staatsfarm wurde ein aus Ziegelmauern massiv gebauter Schweinestall dem Erdboden gleich gemacht und 24 Schweine getötet. Außerdem wurde die Scheune von Familie Kaul-Ardeleanu ebenfalls dem Erdboden gleich gemacht.

Vom Wirbelsturm beschädigte Scheune auf dem Gelände der Deckstation.

Auf dem Gelände der Deckstation wurde die Scheune und der Stall für 32 Stiere teilweise zerstört. Überreste des Daches konnten beim dritten und vierten Nachbarn wieder gefunden werden.

Dann wütete der Sturm weiter in Richtung Osten und deckte strichweise die Dächer bis ans Ende des Dorfes auf. Herr Michael Thiess sen. wurde in seinem Garten in der Mühlgasse von dem Wirbelsturm überrascht. Er konnte sich zum Glück am Stamm einer Eiche festklammern und sich so vor größerem Schaden retten. Die gerade von ihm aufgestellte Luzerne-Pyramide wurde restlos weggefegt.

Einer der Fischteiche in der Mühlgasse wurde fast trockengelegt. Die darin befindlichen Forellen flüchteten sich instinktiv auf den Boden des Teiches und wurden auf diese Weise nicht herausgerissen.

Soweit der Bericht zu dem Wirbelsturm in Tartlau.

Im Folgenden möchte ich noch einige Erinnerungen an Begebenheiten während meiner Tätigkeit bei der Deckstation in Tartlau zum Besten geben. Einer der angenehmsten der fünf Direktoren, mit denen ich während meiner Tätigkeit im Unternehmen zu tun hatte, war Ing. Gheorghe Aldica. Er vertraute seinen Mitarbeitern vollkommen und diese erledigten den Großteil der Aufgaben auch sehr gewissenhaft und mit großer Hingabe. Zum Dank dafür lud er einmal im Jahr zu einer Betriebsfeier auf eigene Kosten ein.

Vor der Schutzhütte am Bâlea-See im Fogarascher Gebirge in den Südkarpaten, v. l. n .r.: Wilhelm Hergetz, Hans Plontsch, Gheorghe Aldica und Hans Junesch.

Angeregt von der Art und den Zielen des Unternehmens, in dem ich arbeitete, interessierte ich mich auch persönlich für die Verbesserung und Entwicklung von neuen Schafrassen. In meiner eigenen Wirtschaft habe ich hierzu mit Kreuzung während 3 Schafgenerationen experimentiert.

In der ersten Generation deckte ich das Muttertier der Rasse „Ţigaie“ (einheimische Rasse) über Natursprung mit einem Merino-Fleisch-Widder (über 100 kg schwer und aus der ehemaligen DDR eingeführt). Das Muttertier in der zweiten Generation wurde gedeckt mit einem Suffolk-Widder aus England und in der nächsten Generation mit einem Widder der Rasse „Romy-Marsch“ aus Australien.

Alle männlichen und weiblichen Tiere waren persönliches Eigentum und hatten keine Hörner. Das Muttertier wog im Durchschnitt 70 – 80 kg, der Widder hatte 110 kg Körpergewicht. Am Ende hatte ich 5 Muttertiere und einen Zuchtwidder (keine Inzucht!). Die Lämmer im Alter von 3 Monaten wogen ca. 28 kg Körpergewicht. Das Fleisch hatte keinen typischen Schafgeschmack.

Ein ungefähr 2 bis 3 Monate altes Zwillingspärchen, hier von einer Tierliebhaberin angelockt und gefüttert (meine Tochter Kordula).

Die Muttertiere lämmerten zweimal im Jahr und bei optimaler Fütterung erzielte ich 3 Lämmer pro Muttertier. Die Wolleproduktion belief sich im Schnitt auf 8 kg pro Kopf (ungewaschen), der Widder allein lieferte 12 kg Wolle.

Über die erzielten Erfolge habe ich mich sehr gefreut und war auch ein bisschen stolz darauf. Bevor ich 1991 auswanderte, habe ich alle Tiere an einen Hobbyzüchter in Kronstadt verkauft.


Quellen: Fotos aus Familienalbum Hergetz

Autor: Wilhelm Hergetz

Erstellt: 6. Dezember 2009 - 9:14. Geändert: 3. Mai 2010 - 11:32.